19. Die Reise nach Polen

19. Oktober 2020
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19. Die Reise nach Polen

19. Oktober 2020

Am nächsten Morgen wurde Storchi von einem Klappergeräusch wach. Als sie ihren Körper im Zelt aufrichtete, sah sie, woher es kam. Frido war noch im Halbschlaf und klapperte dabei unaufhörlich mit seinem Schnabel. Sofort rüttelte sie an Fridos Körper und rief: „Frido, wach auf! Hast du einen schlimmen Traum? Während Storchi sprach, begann Fridos Körper noch mehr zu zittern, dabei stotterte er: „Ich habe solche Angst, ich habe solche Angst!“ Storchi umarmte Frido so lange, bis er langsam wach wurde. „Was ist denn mit dir los?“, fragte sie ganz besorgt. „Ich weiß es auch nicht“, sagte Frido, „aber ich habe Angst vor dem Flug nach Polen. Was ist, wenn ich wieder die Kraft verliere und diesmal keine Insel in Aussicht ist?“ Storchi spürte die große Angst: „Ich bin stolz auf dich, dass du so mutig warst, nach Afrika zu fliegen. Auf einer langen Reise mal die Kraft zu verlieren, ist doch das Normalste von der Welt. Weißt du was? Wir gehen es langsam an und fliegen mit dem Flugzeug nach Polen.“ Storchi hatte das Wort Flugzeug nicht mal ganz ausgesprochen, da spürte sie schon, wie Fridos Körper sich entspannte. Sie vernahm ein leises „Danke!“

Am Flughafen angekommen, kam Frido aus dem Staunen nicht mehr heraus. Immer wieder ist es für ihn faszinierend, diese großen Maschinen auf der Start- und Landebahn zu sehen.

Als die Flamingo-Storch-Familie im Flugzeug auf ihren Plätzen saß, sagte Frido: „Kinder, schnallt euch gut an. Gleich werdet ihr euren ersten Flug in einem echten Flugzeug erleben. Ihr werdet sehen, das fühlt sich anders an, als ein Flug auf meinem Rücken. In diesem Moment startete der Motor „Brumm, brumm“. Die Maschine begann zu rollen und wurde immer schneller, so schnell, dass die Räder nicht mehr den Boden berührten. Das war der Augenblick, in dem die Kinder ganz laut „Aaahhhh“ riefen. „Was ist das für ein Kribbeln im Bauch?“

Erst hoch über den Wolken hatten sich die Kinder wieder beruhigt und Frido begann zu sprechen: „Kinder, ich will euch erklären, was es mit dem Kribbeln auf sich hatte. Es war die Antwort eures Körpers auf ein Gefühl.“ „Das verstehe ich nicht“, sagte Fanni. „Was ist ein Gefühl?“ Frido stupste Storchi an: „Magst du es ihnen erklären?“ „Also Kinder“, sagte Storchi, „es gibt verschiedene Gefühle, wie zum Beispiel Angst, Freude, Wut, Liebe und Trauer. Auf jedes dieser Gefühle reagiert euer Körper anders.“ „Und was für ein Gefühl war dann das Kribbeln?“, fragte Flori. „Ich denke, es war die Angst“, sagte Storchi. „Ihr habt zum ersten Mal einen Flugzeugstart erlebt, da kann man schon mal Angst bekommen.“ „Und wie fühlt sich dann die Liebe an?“, plapperte Filo dazwischen. Storchi wurde nachdenklich: „Die Liebe fühlt sich ähnlich an, das ist auch ein Kribbeln.“ „Aber das ist doch doof“, sagte Fanni. „Woher sollen wir dann wissen, ob es die Liebe oder die Angst ist?“ „Darum müsst ihr euch keine Sorgen machen, Kinder“, entgegnete Storchi. „Jeder von euch hat eine Stimme in sich. Diese wird es euch verraten.“ „Oh, dann bin ich ja beruhigt“, sagte Flori.

Nach 9 Stunden landeten sie sicher auf polnischem Boden. Als die Flamingo Storch Familie die Flugzeugtreppe hinabstieg, fragte Filo: „Mama, gibt es in Polen auch so tolle Tiere wie in Afrika?“ „Oh ja“, sagte Storchi, „Polen hat wunderschöne Landschaften und bestimmt werden wir auch hier einigen Tieren begegnen.“ „Aber nicht mehr heute!“, plapperte Frido dazwischen. „Das Einzige, was wir heute noch brauchen, ist ein Hotel. Seht ihr das Taxi da vorne. Das nehmen wir.“

Der Taxifahrer war ein sehr freundlicher Mann. Zum Glück konnte er auch ein wenig deutsch sprechen. Storchi ist zwar in Polen geboren, die polnische Sprache hat sie jedoch mittlerweile verlernt. Wie gut, das die Taxifahrt zu einem kleinen Sprachkurs wurde. Der Taxifahrer brachte ihnen die wichtigsten Wörter und Sätze bei. So waren alle gut auf den Aufenthalt in Polen vorbereitet.

Als der Taxifahrer vor dem Hotel Halt machte, sagte er: „Liebe Flamingo-Storch-Familie, es war mir ein Vergnügen, Sie zu fahren. Ich wünsche Ihnen ganz viel Freude und einen abenteuerlichen Aufenthalt in unserem Land. Für die Fahrt bekomme ich 40 Złoty“ „Vierzig was bekommen Sie?“, fragte Frido. „In diesem Moment stupste Storchi ihn an und flüsterte: „Złoty ist die polnische Währung!“ „Aber, aber…“, stotterte Frido, „was machen wir jetzt? Wir haben doch nur Euro dabei.“ Der Taxifahrer bekam das Gespräch zwischen Frido und Storchi mit: „Sie können bei mir auch mit Euro bezahlen!“ sagte er. „Das wären dann 10 Euro.“ „Puh!“, schnaufte Frido. „Das ist sehr nett von Ihnen. Danke!“ Erleichtert holte Frido das Geld aus seinem Flügel und gab es dem Taxifahrer.

An der Hotelrezeption trafen sie auf eine sehr nette Dame. Zum Glück konnte auch sie ein wenig deutsch sprechen.

Während Storchi alle Formalitäten regelte, konnte es Frido kaum abwarten, der netten Dame die allerwichtigste Frage zu stellen: „Haben Sie in ihrem Hotel auch einen Wellnessbereich?“ „Aber Pan* Flamingo, was denken Sie denn?“, entgegnete die Hoteldame. „Wir sind doch das Grand Hotel Bellvinski. Natürlich haben wir einen Wellnessbereich, mit allem was das Herz begehrt.” Fridos Herz hüpfte vor Freude, denn er liebt es, Wellness zu machen.

Und die nette Dame hatte tatsächlich nicht zu viel versprochen. Es war wirklich ein Wellnessbereich mit allem drum und dran. Frido spielte mit den Kindern im Pool Wasserball. Währenddessen erholte sich Storchi von der langen Reise und las ihr neues Buch.

Als es für die Kinder Zeit war, ins Bett zu gehen, brachten Frido und Storchi sie auf´s Hotelzimmer. Gemeinsam stellten sie sich vor das große Fenster und bewunderten den Sternenhimmel. Dabei machten sie das, was sie jeden Abend vor dem Schlafengehen machten: Sie nannten es „Die Fünf“. Jeder suchte sich fünf Dinge aus, für die er Danke sagen möchte. Entweder sagten sie es in Gedanken, oder wenn es die anderen wissen sollten, sprachen sie es laut aus.

Flori sagte: „DANKE für den ersten Flug mit dem Flugzeug, auch wenn es ganz schön gekribbelt hat.“

Fanni sagte: „DANKE, dass ich heute ein paar polnische Wörter und Sätze gelernt habe.“

Filo sagte: „DANKE für den tollen Swimmingpool im Hotel.“

Frido sagte: „DANKE, dass wir beim Taxifahrer auch mit Euro bezahlen konnten.“

Storchi sagte: „DANKE für mein neues Buch“

Dann erzählte Frido den Kindern noch eine Geschichte, aber es dauerte gar nicht lange, da schliefen alle drei tief und fest.

Frido und Storchi gingen noch nicht ins Bett. Sie schnappten sich ein großes Handtuch und schlenderten in die Hotelsauna. Während sie auf dem heißen Holz saßen und zu schwitzen begannen, sagte Frido: „Du Storchi, wir wollen doch morgen den Kindern dein Geburtsdach zeigen. Kennst du denn von hier den Weg dort hin?“ „Naja, von meinem Geburtsdach sind wir ganz schön weit entfernt“, antwortete Storchi. „Ich denke, wir werden bestimmt drei Stunden mit dem Zug fahren müssen.“ „Ohhh, eine Zugfahrt durch Polen“, freute sich Frido, „das wird ein Abenteuer!“

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